Montag, 4. März 2013

Männermode

Eins vorweg: Ich behaupte keineswegs, vollständig auf der modischen Höhe der Zeit zu sein. Was ich behaupte: Ich interessiere mich ein wenig dafür und habe - meiner Meinung nach, was soll ich auch von mir selbst sonst sagen - einen ganz ordentlichen Geschmack.

Genug des Vorgeplänkels: Als ich heute den Azubi aus der IT-Abteilung über den Flur gehen sah, dachte ich: "Ein 20-Jähriger mit dem Kleidungsstil eines Klischee-Mittfünfzigers. Ich bin gespannt, ob er im Frühling einen beigen Blouson trägt." Was man halt so denkt, wenn man über den Büroflur geht. Dann fragte ich mich, was so einen 20-Jährigen wohl auf den Gedanken bringt, in einem sackigen Pulli, in einer  zu kurzen 08/15-Jeans (zu kurze Hosen sind scheinbar überhaupt ein weit verbreitetes Phänomen unter Männern) und in schwarzen, klobigen Ledersneakern nach Supermarkt-Art rumzulaufen. Es muss ja nicht der neueste H&M-Stil in Neon-Violett und mit V-Ausschnitt bis kurz unterm Bauchnabel sein - aber der Junge muss doch auch nicht rumlaufen wie der eigene Großonkel. Dann dachte ich weiter darüber nach, über andere Kollegen und deren Kleidung, und mir wurde bewusst, dass es erstaunlich viele junge Männer (dazu zähle ich mich übrigens auch) gibt, die Klamotten tragen, die mein Vater (zum Glück!) nicht mal mit einem Blick während des Vorbeigehens streifen würde. Ich kenne Gleichaltrige, die tragen ernsthaft weinrote Seidenblousons. Und nicht so Hipster-mäßig. Nein nein, ganz ironiefrei! Ich meine, das war selbst in den 80ern schon schlimm, als die "modern" gewesen sein mögen.

Was mich also daran beschäftigt: Es scheint den Leuten ja zu gefallen. Oder zumindest nicht negativ aufzufallen, wenn sie vielleicht nur minimales Interesse für den Kleiderkauf aufbringen. Unvorstellbar. Wie kann das passieren? Wieso sagt ein 20- der 30-Jähriger: "Joah, die Jacke find ich gut, die sah ja auch schon an Heinz Schenk gut aus, damals 1982." Also, sinnbildlich gedacht natürlich. Der sagt ja von sich womöglich auch, er hätte einen guten Geschmack. Dabei sieht er aus wie der personifizierte Altherren-Ausflug.
Ach, ich kann das gar nicht so gut beschreiben, wie ich gerne möchte. Sie wissen schon, was ich meine, meine Damen und Herren des guten Geschmacks. Fight the Seidenblouson! Ende der Beschwerde.

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