Dienstag, 20. Januar 2009

Zeit?

Der unaufhaltsame Prozess fortschreitenden Verfalls oder fortschreitender Entwicklung, je nach Auge des Betrachters, den wir gemeinhin Zeit nennen - was hat es auf sich mit ihr, der Unantastbaren?

In jedem Fall scheint sie in den meisten Fällen viel zu schnell voran zu schreiten. Ich kann mich jedenfalls kaum daran erinnern, dass mir die Zeit, zumindest über eine längere Strecke gesehen, zu langsam wurde. Zu kostbar und zu gefüllt (bisweilen gar erfüllt) sind die Zeitabschnitte, die einem zur Verfügung stehen. Wie wir sie effiezient, um dieses betriebswirtschaftlich anmutene Wort dafür zu entleihen, nutzen, ist eine Frage des Abwägens zwischen persönlichen Prioritäten und notwendiger Pflichterfüllung. Letztere leidete dabei (leider) unter ersteren häufiger, als es der Pflicht zuträglich wäre. Das Bedauern ist dabei allerdings eher als verschämtes Schuldgeständnis denn als wirkliches Bedauern zu sehen, denn schließlich handelt es sich ja um persönliche Prioritäten, deren Ausführung keineswegs wirklich bedauernswert sind: "Liebst du das Leben? Dann vergeude keine Zeit, denn daraus besteht das Leben." (Benjamin Franklin)

Was will ich damit sagen? Wer sich soviel Zeit nimmt, zwischen den Zeilen zu lesen, wird diese Frage womöglich schnell beantworten können. Oder auch nicht? Denn es stellen sich doch noch so viele Fragen zum Thema Zeit, deren Antwort der Mensch höchstwahrscheinlich niemals zu finden im Stande sein wird, die er sich nichtsdestotrotz aber stellt. Ein bisscehn unfair ist die Zeit ja auch zu uns Menschen, wie schon Charlie Chaplin wusste: "Die Jugend wäre eine schönere Zeit, wenn sie erst später im Leben käme." Aber das kann man sich bekanntlich ja schlecht anders aussuchen. Es sei denn, man verlängert seine Jugend künstlich, was aber immer einem Taumel an der Grenze zur Lächerlichkeit gleichkommt.

Nichtsdestotrotz wäre es ein guter Kompromiss, das Notwendige und das Vergnügliche in einer Balance zu halten, die man ohne einen möglichen Reuegedanken im Hinterkopf genießen kann. Den Grund dafür liefert Jean-Jacques Rosseau: "Das Leben ist zu kurz, weniger wegen der kurzen Zeit, die es dauert, sondern weil uns von dieser kurzen Zeit fast keine bleibt, es zu genießen."

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