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Freitag, 23. August 2013

Sommerloch

Es gab vieles, worüber ich in den letzten Wochen an dieser Stelle euphorisch hätte berichten können. Es gab auch einiges, worüber ich mich ausufernd hätte aufregen können (als jemand, der mittlerweile auch offiziell dazu berechtigt ist, in „Altherren“-Mannschaften Fußball zu spielen, wäre ich ja sogar legitimiert, mich über „die Jugend“ aufzuregen – vielleicht mache ich das demnächst auch mal). Hab ich aber nicht, weder das eine noch das andere.


Und warum? Hm. Keine Ahnung. Keine Zeit, und wenn Zeit, dann keine Lust. Hatte meistens (vermeintlich) besseres zu tun. Und das wird in den nächsten Wochen nicht anders. Denn da habe ich definitiv was Besseres zu tun, und aus den eben genannten Gründen auch für diese Zeit nicht vorgebloggt. Also folgen nach Wochen der Stille: richtig, Wochen der Stille. Damit aber jetzt nicht alle in meditative Apathie (apathische Meditation?) verfallen, hier einer dieser Momente, über die ich euphorisch hätte berichten können und der so schön war, dass wohl mindestens 80% der Anwesenden die Tränen der Rührung kaum zurückhalten konnten. Einige konnten es zu Recht auch nicht. Und damit gebe ich zurück in das angeschlossene Sommerloch. 


(leider nicht zum Einbetten, aber es lohnt sich! Ich empfehle außerdem nachdrücklich, sich auch das Video von James anzusehen - noch so ein Moment!)

Sonntag, 26. August 2012

Ach, Urlaub - du vergehst immer viel zu schnell

Haldern Pop, das schönste Festival der Welt mit wunderbaren Menschen, toller Musik und in diesem Jahr sogar mal wieder herrlichem Wetter; mit dem ICE nach Dresden, das mit tollen Sehenswürdigkeiten, Vierteln und Biergärten an der Elbe überzeugt; weiter nach Prag, in diese wunderschöne Stadt voller Menschen und Flair, voller schöner Häuser, Palais, Burgen, Plätze und Dinge, mit leckerem Essen, leckerem Bier und tropischen Temperaturen; zuhause die Füße hochlegen; auf Hafenrundfahrt gehen; Thai-Massage; Biergarten (auch in der Heimat schön); Segelfliegen (yeah!!!); Grillen; für den guten Zweck laufen - so schnell gehen zweieinhalb wunderbare Wochen vorüber - Fazit: Der Urlaub war fantastisch - nur leider wieder viel zu schnell vorbei...

Samstag, 7. Januar 2012

Konzerte 2011 - Viele Tops, einige Flops

2011 war ein gutes Musikjahr - das habe ich ja an dieser Stelle bereits verlauten lassen. 2011 war aber auch ein schönes Konzertjahr - quantitiv und qualitativ. Da es zu aufwändig wäre, alle hier aufzuzählen (mit Rock im Saal, Juicy Beats, Haldern Pop, Halleluyeah und Visions Weekend Festival waren schließlich immerhin fünf Festivals dabei), beschränke ich mich auf einige Highlights. Das ist natürlich in erster Linie positiv gemeint, aber auch ein paar "schlimme" Konzerterlebnisse dürfen natürlich nicht fehlen.

Highlights 2011 in chronologischer Reihenfolge:
(die fünf Favoriten des Jahres nochmal besonders hervorgehoben)


Young Rebel Set (Rock im Saal, Haldern & Gebäude 9, Köln)
Triggerfinger (Rock im Saal - mit verletztem Bassisten, der stattdessen einarmig zweites Schlagzeug spielte)
Gisbert zu Knyphausen (Konzerthaus, Dortmund)
Beady Eye (E-Werk, Köln)
Moritz Krämer (Glanz & Gloria, Osnabrück)
Carl Barât (Forum, Bielefeld)
Buster Shuffle (als Support von Art Brut, Luxor, Köln & Schauspielhaus, Bochum)
Kakkmaddafakka (Domicil, Dortmund)
FM Belfast (Juicy Beats)
Johnny Flynn (Haldern Pop)
LaBrassBanda (Haldern Pop & FZW, Dortmund)
Tim Isfort Orchestra & John Grant ( Haldern Pop)
Halleluyeah (Tagesfestival mit diversen lokalen Bands in der Pauluskirche, Dortmund)
The Crookes (Gebäude 9, Köln)
Noel Gallagher's High Flying Birds (Palladium, Köln)
Ocean Colour Scene (O2 Academy Brixton, London)
The Vaccines (Luxor, Köln)

Konzerterlebnisse, auf die ich 2011 lieber verzichtet hätte:
Kraftklub (Visions Weekend Festival 2011, FZW, Dortmund)
Mundwerk-Crew (Support LaBrassBanda, FZW, Dortmund)
irgend so eine ganz schlimme Bochumer Lokal-Punkband, die vor Buster Shuffle im Schauspielhaus gespielt hat und deren Namen nachzusehen ich zu faul bin
Josh T. Pearson (Haldern Pop, mussten wir in der Aufbauphase für Tim Isfort und John Grant über uns ergehen lassen)

Konzerte/Touren, die ich 2011 leider verpasst habe:
The Kabeedies
Locas In Love
Kasabian
The Wave Pictures
Ja, Panik



Montag, 15. August 2011

Haldern 2011 - Muße, Matsch und (fast ausschließlich) nette Menschen

Ach, Haldern. Ein ganzes Jahr Vorfreude, und dann wird dieses verlängerte Wochenende am Niederrhein auch noch tatsächlich jedes Jahr wunderschön. Was nicht nur am Festival selber liegt (das hat natürlich auch einen Riesenanteil), sondern auch an den Menschen, mit denen wir dort sind. Die sind jedes Jahr aufs Neue mindestens genauso wunderbar wie die Veranstaltung selbst. Ich freu mich schon auf Haldern 2012!

Ansonsten ist über die Vorzüge des Festivals an anderer Stelle schon genug gesagt. Und mit den Bands will ich mich, anders als sonst, auch nicht so ganz lange aufhalten. Nur sagen, dass es auch in diesem Jahr wieder viele viele Diskussionen über das LineUp gab, die ich teils nachvollziehen kann (zu viel Fokus auf SingerSongwritern, obwohl das auch schon mal "schlimmer" war), teils nicht (Wir sind Helden, Elektro o.ä. "passen nicht zu Haldern" - so'n Quatsch). Dazu ist folgendes anzumerken: erstens habe ich persönlich gemerkt, dass ich aufgrund der letzten, doch eher mediokren Songs der Helden fast vergessen hatte, welch große Songs diese Band auf Lager hat. Zum Glück haben sie mich dran erinnert, so dass ich wieder überzeugt sagen kann: ich mag diese Band. Zweitens: viele von den Meckerern haben es sich wohl kurzfristig anders überlegt, denn der Reitplatz war zum Helden-Konzert rappelvoll und wohlgelaunt. Nicht annähernd so wohlgelaunt wie bei der unfassbaren Show von LaBrassBanda, aber das schaffen wohl auch nur wenige.

Ein bisschen was hab ich allerdings auch zu meckern. Muss ja auch sein, was?! ;-) Und zwar sind mir in diesem Jahr einige Festivalbesucher wirklich auf die Nerven gegangen, und wenn ich mir das Haldern-Forum so ansehe, bin ich damit nicht allein. Es ist natürlich logisch, dass ein mit so einem guten Ruf behaftetes, erfolgreiches und trotzdem kleines Festival einige Festivaltouristen und "übercoole" Indiekids anzieht, die sich auch mal im Glanz sonnen und sagen wollen: "Ich war in Haldern". Aber bitte, bleibt doch nächstes Mal lieber zuhause, an eurem Zelt oder wenigstens aus dem Spiegelzelt, wenn ihr die Bands da Scheiße findet. Konkreter Fall: ich stehe eine Stunde an, um Johnny Flynn zu sehen (nur damit das klar ist: das war es wert!), und ärgere mich schon in der Schlange über zwei Typen, besonders einen davon. Der hat rote Streifen im Gesicht wie ein besoffener Indianer in seiner Selbstfindungsphase, ein Stirnband mit einer Feder drin (wieder der Indianer) und einen Folksänger-Bart. Vor dem Zelt brüstet er sich vor jedem, der es hören will (und auch vor denen, die nicht), wie er sich am Donnerstag doch ach so toll vorgedrängelt hat, als "alle anderen Idioten" in der ellenlagen Schlange standen. Ich denke noch bei mir: Gut, dass der nicht direkt hinter mir steht... Im Zelt wirds dann noch schlimmer. Wahrscheinlich angestachelt von seinen gut 10 ebenfalls gefiederten und bemalten Wannabe-Hippie-Freunden veranstaltet er ein Ein-Mann-Theater, dass man meinen könnte, ADS wurde an seiner Person erst entdeckt. "Unterhaltungen" in Orkan-Lautstärke (bei einem Sänger mit Gitarre immer toll...), unkontrollierte Sprünge in fremde und bekannte Menschen, Anquatschen eben jener (natürlich wieder schön laut), Gehampel an allen Fronten. Und als wär das nicht genug, holt er irgendwann eine Farbsprühdose raus (weiß der Geier, wie er die reingeschmuggelt hat) und fuchtelt damit rum. Dann ist er auch noch erstaunt und beleidigt, dass ihm ein Ordner die wegnimmt, weil er damit genau vor dessen Nase rumfuchtelt. Und beleidigt, weil die Menschen nicht sehen, wie toll er doch eigentlich ist. Gute Menschen, das! Er ist nämlich so toll wie Ausschlag am ... Hoffentlich sucht der dumme Dickhead sich nächstes Jahr ein anderes Festival aus, das er terrorisiert. Zum Glück war Johnny Flynn so gut, dass er meine Mischung aus Mitleid, Abscheu, Verachtung und Ärger auf den Vogel einfach überspielt hat.

Huh, jetzt nimmt das aber einen unangemessen großen Teil des Berichts ein. Denn eigentlich, von solchen Pappnasen abgesehen, ist, war und bleibt Haldern ein wunderschönes Festivalwochenende. Und deshalb freu ich mich ja jetzt schon auf 2012.

Musikalische Highlights waren, um das hier nicht untergehen zu lassen: Johnny Flynn, Okkervil River, LaBrassBanda, Tim Isfort Orchestra & John Grant.

Montag, 24. Januar 2011

Haldern funktioniert auch im Winter

Das Haldern Pop ist ja ein fixer Termin im Jahreskalender, der jedes Jahr aufs Neue mit großartigen Konzerten zu verzücken weiß. Seit Samstag weiß ich, dass auch die "Winteredition", also Rock im Saal, eine Reise nach Haldern wert ist. Zumal, wenn man am Nachmittag zuvor noch das Rock'n'Pop Museum in Gronau besucht. Ist hiermit wärmstens empfohlen!

Rock im Saal also. Besagter Saal befindet sich im Gasthof Tepferdt zu Haldern und ist genauso, wie man sich einen dörflichen Festsaal vorstellt: mit viiieeel Holz und schön urig. Passend dazu das Intro Ein interessanter Rahmen für eine Veranstaltung, die, untypisch für die letzten Haldern-Jahre, recht laut geriet. Die ersten zwei Bands, My Jerusalem und Go Back To The Zoo, kannte ich überhaupt nicht. Triggerfinger hatte ich schon beim letzten Haldern Pop gesehen und für ganz gut befunden. Young Rebel Set bin ich auf eben dieser Veranstaltung hoffnungslos verfallen. Dieser Abend war das dritte Konzert binnen eines halben Jahres, zwei weitere werden noch vor Ostern folgen...

Jedenfalls waren von den beiden erstgenannten vor allem My Jerusalem eine sehr angenehme Überraschung. Gute Songs, tolle Stimme - und Ernie Heisterkamp an der Gitarre und den Keys. Go Back To The Zoo fand ich auch ganz unterhaltsam. Nix Weltbewegendes, aber live doch ganz nett. Triggerfinger fand ich aus der Nähe noch faszinierender, als im Sommer aus relativer Ferne. Drei gesetztere Herren, die lauten, krachenden Bluesrock spielen. Dazu eine beeindruckende Stimme von Sänger Ruben Block. Hinzu kam am Samstag noch, dass der Bassist erst vor wenigen Tagen am Arm operiert wurde - Bass spielen war da natürlich nicht drin. Also wurde kurzerhand ein zweites Drumkit auf die Bühne gestellt, das er dann einarmig bearbeitet hat. Ideen muss man haben...

Der Höhepunkt war aber natürlich für die sympathischen Nordengländer reserviert. YRS wussten auch beim dritten Set zu begeistern, auch wenn eine Durchmischung der Setlist nicht schlecht gewesen wäre. Vier recht ruhige Lieder am Stück ziehen sich doch etwas, wenn der Abend schon einige Stunden lang ist. Dennoch: auch beim dritten Mal gabs wieder neue Stücke, die alten begeistern immer noch, die sieben aus Stockton-on-Tees machen schlichtweg großen Spaß. Und schleppen gleich ne ganze Kiste Bier mit auf die Bühne. Man muss ja seinen Ruf wahren... Ich freu mich schon aufs nächste Konzert. Und auf Haldern. Dann wieder, wie gewohnt, im Sommer.

Dienstag, 4. Januar 2011

Come on, you young philosophers...

Die erste Entdeckung dieses Jahres ist eigentlich eine aus dem letzten Jahr. Hä? Naja, das großartige Album "Drown Your Heart Again" von The Strange Death Of Liberal England (über Bandnamen kann man ja immer vortrefflich diskutieren...) erschien Ende letzten Jahres und schaffte es kurz vor knapp sogar noch in die engere Auswahl meiner 12 des Jahres. Aber je öfter ich das Album nun, also in 2011, höre, desto besser wird es. Düstere Texte über die See und die Dunkelheit (eine Auswahl an Songtiteln: Rising Sea, Shadows, Lighthouse, Autumn, Flickering Light) gepaart mit großem, ja fast orchestralem Pop. Taktisch sehr geschickt, so ein Album im Winter rauszubringen - im Sommer wäre man dafür möglicherweise weit weniger empfänglich. Trotzdem denke ich dabei an den Sommer: diese Band wünsche ich mir für Haldern. Und da die Festivalmacher ja bestimmt treue Leser meines bescheidenen kleinen Blogs sind (räusper, hust), sollte dem doch (bitte) nichts im Wege stehen... Und damit ihr wisst, wovon ich schwärme:

Montag, 16. August 2010

Haldern 2010 - Kühle Drinks im heißen Staub

Am vergangenen Wochenende war es endlich wieder soweit: Das Haldern Pop Festival stand auf dem Programm, und die Vorfreude währte schon seit Wochen. Nicht nur auf die zu erwartenden tollen Konzert, sondern auch auf die Atmosphäre dort und die tollen Menschen, mit denen wir dort hinfahren bzw. uns dort treffen würden.

Nachdem wir im letzten Jahr schon den Begrüßungscocktail bzw. -Longdrink eingeführt hatten, ging es dieses Jahr noch deutlich weiter: Getränkekühlung mit Trockeneis. Was für ein Luxus. Ich glaube, ich habe während der gesamten drei Tage nicht ein ungekühltes Getränk zu mir genommen. Und das bei Tagestemperaturen von 25°C und mehr. Ein großes Dankeschön dafür! So schmeckt der Gin Tonic zu jeder Zeit.

Und überhaupt, wer hätte mit solchen Temperaturen und Sonne rechnen können? Die Wetterprognosen waren bis kurz vor Festivalstart ziemlich durchwachsen und am Tag davor hat es quasi durchgeregnet. Aber pünktlich zum Donnerstag riss der Himmel auf und verdunkelte sich nur noch ganz selten, so dass lediglich einige Regentröpfchen auf Haldern herabfielen. Stattdessen lachte die Sonne genauso ausdauernd wie wir an diesem wunderbaren Wochenende. Ich freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr und das nächste Festival mit dieser großartigen "Mannschaft". Danke an alle, die dabei waren.

Ach ja, Musik gab es natürlich auch noch. Am Donnerstag (wie eigentlich schon erwartet) zwar nur auf der Leinwand vor dem Spiegelzelt, aber das war schon ein ganz scöner Auftakt mit Beach House, I Blame Coco und Stornoway.


Sonnenuntergang in Haldern - so schön kann Festival sein

Der Freitag brachte dann mittags ein kleineres Ärgernis, weil wir durch die geänderte Einlasskontrolle eine ganze Zeit anstehen mussten, um überhaupt aufs Gelände zu kommen und so - wie Hunderte andere auch - Triggerfinger zu einem guten Teil verpassten. Was ärgerlich war, denn was ich von der Band noch gesehen habe, war beeindruckend. Schräg, laut, aber gut. Hätte ich gerne komplett gesehen. Im Anschluss ging es eine Runde ins Dorf, um pünktlich zum Überraschungsgig, über den sich in zahlreichen Foren schon die Finger wund diskutiert worden waren, wieder zurück zu sein. Und es war: Philipp Poisel. Zack, da waren wir ganz schnell wieder am Zelt bzw. am Grill. Dafür muss ja schließlich auch Zeit sein. Rechtzeitig zu Delphic waren wir wieder an der Bühne, nachdem es sich als unrealistisch erwiesen hatte, für Laura Marling am Spiegelzelt anzustehen. Die Mancunians waren durchaus beeindruckend. Aber nicht annähernd so wie Mumford & Sons, die heimlichen (?) Headliner des Festivals. Nach meiner Einschätzung war der Reitplatz an diesem Wochenende zu keinem Zeitpunkt voller. Und auch nicht euphorischer, beglückter oder begeisterter. Und das war auch absolut gerechtfertigt, denn die Briten spielten ein wirklich tolles Set. Da konnten Beirut im Anschluss nicht wirklich mithalten, was für mich persönlich aber sicher auch daran liegt, dass ich mit dieser Musik nicht wirklich dauerhaft warm werde. Zum Abschluss des Freitags wurde es mit Serena Maneesh noch einmal richtig laut, aber dafür war es irgendwie zu spät, auch wenn ich die ersten Klänge durchaus interessant fand.

Der Samstag startete, nachdem ich meinem 6. Jahr Haldern zum ersten Mal am (aber nicht im) See war, musikalisch dann gleich mit einem meiner absoluten Highlights des Wochenendes: Young Rebel Set. Ich war schon im Vorfeld sehr gespannt auf den Auftritt und wurde nicht enttäuscht. Großartige Band, großartige Songs. Und so füllte sich auch der Reitplatz für diese Uhrzeit schon erfreulich schnell. Und das Merchandise wurde im Anschluss an ihr Set regelrecht geplündert. Gut, dass ich noch ein T-Shirt abbekommen habe. :-) Weiter ging es dann im Spiegelzelt mit Everything Everything, die wir jedoch nach ca. 20 Minuten zugunsten von Fanfarlo wieder verließen. Was im Rückblick vielleicht ein Fehler war, denn Everything Everything wussten mich in der kurzen Zeit wirklich zu überzeugen, während ich Fanfarlo, gemessen an meiner Erwartungshaltung, doch eher mittelmäßig fand. Da kam live nicht viel rüber. Das war bei Frigtened Rabbit viel besser, die wir jedoch trotzdem aus der Entfernung und dem Schatten heraus verfolgten - eine kurze Flucht vor der Sonne. Denn schließlich musste ich ja fit sein, um bei den Blood Red Shoes vor der Bühne mitzuhüpfen. Was für eine Show. Großartig, wie man zu zweit soviel Rock'n'Roll auf die Bühne bringen kann. Inklusive eines Ausflugs von Sänger/Schlagzeuger Steven Ansell an den Wellenbrecher - mit der Snare Drum im Gepäck! Im Anschluss war wieder Zeit zum Grillen (und Kartenspielen :-) ). Was offenbar viele so sahen, denn The Tallest Man On Earth ging uns wieder aufgrund des Wartens vor dem Eingang durch die Lappen. Ärgerlich. Yeasayer riss auch keinen von uns von den Sitzen bzw. der Wiese unter den Bäumen, animierte uns aber zu ausgelassener Albernheit, was auch an unserer aller Müdigkeit gelegen haben könnte. Den Abschluss, der eigentlich krönend hätte sein sollen, bildeten The National, die vor zwei Jahren einen ganz großartigen Auftritt in Haldern hatten. Dieses Jahr hat ihnen leider die Technik einen Streich gespielt, darunter litt das eigentlich tolle Set doch empfindlich, da der Sound einfach nicht angemessen war. Da konnte Matt Berninger noch so energisch und emotional gegen ansingen, irgendwie hat es den Eindruck gestört.

Trotz dieser kleineren Beschwerden war es wieder ein wunderbares Wochenende mit toller Musik, toller Atmosphäre, tollem Wetter und vor allem tollen Freunden. Wann ist endlich wieder Haldern?!

Mittwoch, 16. September 2009

Ein sehr sehr später Haldern-Rückblick

Inspiriert von Anna Ternheim, die gerade lieblich aus meinen Boxen singt, schwinge ich mich einen Monat nach dem Festival noch zu einem späten, aber nicht zu späten Rückblick auf das diesjährige Haldern Pop auf und weiß schon gar nicht, wo ich vor lauter Begeisterung anfangen soll.

Vielleicht mit dem Offensichtlichsten: Das Wetter war, etwas Haldern-untypisch, ganz ausgezeichnet. Ähnlich wie vor zwei Jahren fuhren wir bei grauem Himmel los, und auf der A 3 lichtete sich die Wolkendecke und die Sonne kam zum Vorschein - Sonnenbrillenzeit! Die hielt das ganze Wochenende an, es war warm, ja geradezu heiß und wunderschön.

Mindestens genauso wunderbar ist es, sich in unsere mittlerweile wirklich große Haldern-Camping-Truppe einzufinden. Auch wenn es schwierig war, zu zweit die angeforderten "100 Quadratmeter Fläche" mehr als eine Stunde lang freizualten. Einige der Menschen sehe ich tatsächlich genau einmal im Jahr zu diesem Anlass, und jedes Jahr wird es lustiger, schöner und außerdem luxuriöser. Mit White Russian und Cuba Libre startet ja auch nicht jeder in ein Festival, oder? Und das Bier war auch trotz der Hitze fast das ganze Wochenende kühl.

Die Menschen machen ja sowieso einen beträchtlichen Teil der wunderbaren Atmosphäre in Haldern aus. Man trifft Leute, die man kennt und schätzt (auch solche, die man weniger schätzt, aber das lässt sich ja nie ganz vermeiden - das Gelände ist ja groß genug für alle) und Menschen, die man bis dahin noch nicht kannte, aber vom ersten Augenblick an schätzt. Man hat den Eindruck, fast alle freuen sich einfach, dass sie an diesem Wochenende an diesem Ort sind und dieses Festival zusammen genießen können. Und ich meine, die Sonne hat dazu beigetragen, dass die Stimmung größtenteils noch ein bisschen besser war.

Im Vorfeld des diesjährigen Festivals hatten sich ja zahlreiche Menschen über das Lineup mokiert. Zugegen: die Dichte an "großen" Acts war sicherlich nicht so hoch wie in den letzten Jahren, und auch die Ausgewogenheit zwischen ruhigen und rockigen Bands und Künstlern war nicht unbedingt da. Aber Haldern war schon immer ein Festival, bei dem es sich lohnt, sich auf die Booker zu verlassen. Und ein etwas entspannterer Zeitplan heißt ja schließlich auch, dass man weniger Probleme hat, alles zu sehen und zu hören, was man möchte. Ich fand es jedenfalls sehr angenehm, dass ich mich eigentlich nie ärgern musste, etwas zu verpassen.

Und das Programm ließ doch wirklich nicht zu wünschen übrig. Nachdem wir den Donnerstagabend erst spät zunächst vor dem Zelt verfolgt und dann schließlich bei den verrückten Irrepressibles auch noch kurz drinnen waren, war der eigentliche Opener für mich Asaf Avidan & The Mojos. Und meine Damen und Herren, der hat mich schon gleich völlig weggeblasen. Aus der Entfernung wie eine Frau klingend, hat dieser schmächtige Israeli mit der hohen Stimme eine fantastische Rock'n'Roll-Blues-Show hingelegt, die mich direkt zum CD-Kauf verleitet hat. Port O'Brien dagegen vermochten mich danach leider nicht vom Sitz zu reißen, das war mir irgendwie zu - ich weiß gar nicht wie, aber es hat mir nicht übermäßig gefallen. Weiter gings dann am Freitag für mich mit Noah & The Whale, in die ich große Erwartungen gesetzt hatte. Diese wurden aber leider mehrheitlich enttäuscht. Offensichtlich hat diese Band die Melancholie entdeckt, die sie in aller Ausführlichkeit auch auf der Bühne ausbreitete. Dabei war alles an diesem Tag hergerichtet für ihren wunderbaren Hit "5 Years Time", den sie aber lieber nicht spielte. Alles in allem leider eher enttäuschend. Das war aber alles vergessen, als Anna Ternheim die Bühne betrat. Wenn ich ein musikalisches Highlight des Festivals rauspicken müsste, es wäre wahrscheinlich ihr Auftritt. Diese bezaubernde Frau zog mich - und einige tausend andere - von Anfang an mit ihrer Schönheit, ihrer Präsenz, ihrer tollen Band und den großartigen Liveversionen ihrer Songs in den Bann. Der Auftritt war eine einzige Schönheit, Gänsehaut pur, so dass man manchmal einfach mit offenem Mund staunend dastehen musste. Danach ging es erst einmal zurück zum Campingplatz, grillen und chillen. Für Athlete machte ich mich dann schließlich noch einmal auf den dunklen Weg zum Gelände. Der Auftritt war nicht schlecht, wobei mich diese Band nie völlig begeistern wird. Aber ihre Hits sind schon sehr schön, gerade live. You got the style and we got the style...

Der Samstag begann dann musikalisch recht spät, dafür aber umso schöner: The Maccabees spielten, leider viel zu früh, auf der Hauptbühne, nachdem sie vor zwei Jahren das Spiegelzelt zum Erbeben gebracht hatten. Mit dem zweiten Album im Gepäck war es ein tolles Set, und die Band schien sich mindestens ebenso darüber zu freuen wie die zahlreichen Menschen vor der Bühne. Ein sehr guter Einstieg in den Festivaltag! Danach war ein wenig relaxen im Schatten und unter der behelfsmäßigen "Dusche" auf dem Gelände angesagt. Bon Iver habe ich nur teilweise und aus der Ferne verfolgt. Das hat mich aber live auch nicht wirklich angesprochen, obwohl mir das Album ganz gut gefällt. Ist aber auch keine Musik für 30 Grad im Schatten am Nachmittag. Richtig los ging es dann wieder mit den wunderbaren Thermals. Die schafften es, in knapp einer Stunde gefühlte 35 Songs zu spielen und brachten den Reitplatz ordentlich ins Schwitzen, Tanzen und Singen. Eine tolle Rockshow, die zeigt, dass es eigentlich nicht mehr als drei Leute (und drei Akkorde?) braucht. Danach spielte Andrew Bird, den ich mir wieder etwas aus der Entfernung anhörte. Das Set hat mir aber im Großen und Ganzen gut gefallen, der Mann hat sehr schöne Songs. Mit The Soundtrack of our Lives kehrte die ganz große Rock'n'Roll-Geste im Anschluss noch einmal auf die Bühne zurück. Ebbot Lundberg und seine Mannen, die in Deutschland ja auch beim Haldern-Label veröffentlichen, wären eigentlich der passende Abschluss dieses herrlichen Tages gewesen. Dann hätte Lundberg in seiner Robe sicher auch noch die Menschenmenge geteilt. Aber es kamen ja zum Abschluss auf der Bühne noch Fettes Brot zum Zuge. Hier war der Aufschrei im Vorfeld noch größer als bei Jan Delay vor zwei Jahren, und rückblickend muss ich sagen: zurecht. Überzeugte Jan Delay noch mit Witz, Stil und einer tollen Band, wirkten die Brote eher wie ein schwacher Abklatsch dessen. Auch wenn einige ihrer Hits natürlich immer noch sehr charmant sind. Dafür sind die neueren Tracks aber umso schwächer, so dass wir uns lieber noch einmal auf ein letztes Bier in den Biergarten vor dem Spiegelzelt verdrückten und so noch ein Stück der völlig abgefahrenen "Show" von Health auf der Leinwand erlebten. Wers braucht...

Es bleibt festzuhalten: Haldern war auch dieses Jahr wieder aus all den genannten Gründen eine Reise wert, was wohl auch immer so bleiben wird. Ich freue mich schon jetzt aufs nächste Jahr. Nein, eigentlich will ich, dass das ganze Jahr über Haldern Pop ist. Zumindest irgendwie.