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Montag, 30. Dezember 2013

Konzerte des Jahres 2013

(in chronologischer Reihenfolge)

  • Skinny Lister (Fachwerk Gievenbeck, Münster)
  • Tocotronic, Chuckamuck, Tusq (FZW, Dortmund)
  • Triggerfinger (FZW, Dortmund)
  • Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen (Grend, Essen)
  • The Computers (FZW, Dortmund)
  • Art Brut (Luxor, Köln)
  • Blur (Rock Werchter)
  • Glen Hansard (Haldern Pop)
  • James (Haldern Pop)
  • The Wave Pictures (FFT, Düsseldorf)
  • Primal Scream (Kantine, Köln)
  • Young Rebel Set (Forum, Bielefeld)

Herausragend waren dabei die Auftritte von Blur, James und Primal Scream. Alles "alte" Helden, und alle drei Konzerte waren ein tolles Erlebnis. Das beste Clubkonzert haben eindeutig The Computers abgeliefert, ganz ganz dicht gefolgt von den famosen Skinny Lister.
Insgesamt waren es weniger Konzerte als in den Jahren  zuvor - zwei Absagen, einige ungünstige Termine und was sonst noch so alles dazwischen kommen kann. 
Natürlich geht es 2014 aber unverdrossen weiter - die ersten Tickets sind schon längst gekauft und ich bin gespannt, wer und was noch alles hinzukommt. Kommt auf Tour! 

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Alben des Jahres 2013

Es gab wohl schon Jahre, in denen ich das Gefühl hatte, es seien mehr gute Alben erschienen. Dennoch gab es auch in diesem Jahr zahlreiche Longplayer, die es mir angetan haben. Und ich habe, zumindest gefühlt, in diesem Jahr trotzdem mehr CD-, Vinyl- und mp3-Alben gekauft. Und zwar vermehrt direkt bei den Künstlern bzw. Labels anstatt bei Amazon, Saturn o.ä. Oft kriegt man da sogar noch eine persönliche Note in Form von Signaturen, beigelegten Nachrichten oder anderen netten Kleinigkeiten. Das macht noch einmal mehr Freude!
In diesem Jahr habe ich meine Favoriten schweren Herzens auch einmal wieder in eine Reihenfolge gebracht. Allerdings gibt es keinen dritten Platz, denn es gibt zwei Zweitplatzierte. Da konnte ich mich nun wirklich nicht entscheiden.

1 Sulk – Graceless
Das Album des Jahres. Boah! Klar klingeln sofort die Stone Roses und wollen ihre Ideen zurück, aber mal ganz ehrlich: Interessiert doch keinen! Zumal Sulk es trotzdem schaffen, da ihre ganz eigene Note rein zu bringen, auch wenn es sich um ein Album voller (nicht nur Roses-)Zitate und Referenzen handelt. Aber wenn schon zitieren, dann ja wohl die Großen!
Anspieltipp: Flowers, Marian Shrine, End Time – ach, eigentlich alles von 1 bis 10! All killer, no filler!

2 Young Rebel Set – Crocodile
Das zweite Album ist immer das Schwerste… so geht die alte Rezensenten-Weisheit. Wenn dem so sein sollte, sollten vielleicht viele Bands mal bei YRS nachfragen, wie man das denn so macht mit dem zweiten Album. Denn das ist ganz hervorragend geworden. Vielleicht sogar insgesamt runder als das tolle Debut. Hier können sich alle mal was abgucken, die gerne Pathos in ihre Alben bringen möchten, ohne dass das anstrengend angestrengt wirkt (Labelkollege Thees Uhlmann, ich blicke in deine Richtung!).
Anspieltipp: Unforgiven, The Whip Of The Lash

2 Johnny Marr – The Messenger
Was soll man sagen? Der Mann mit der Gitarre bei den Smiths. Kriegt in der Morrissey-Biografie ordentlich was drüber (aber nicht so schlimm wie die anderen beiden). Nichtsdestotrotz ist das Soloalbum ein ganz großer Wurf mit durchgängig tollen Songs.
Anspieltipps: New Town Velocity, Upstarts

4 The Strypes – Snapshot
Rock’n’Roll will save your soul – glaubt man nicht, dass die Jungs (darf man hier ungeniert sagen) alle noch Teenager, einige sogar noch eine ganze Weile. Ist mir egal, das hier ist groß. Dazu haben die Menschen in Haldern auf der Wiese getanzt, vor einer Leinwand, die das Konzert aus dem Spiegeltent nach draußen übertrug. Und das ist auf Platte genauso gut.
Anspieltipp: Heart Of The City (ist ein Cover, ist mir aber auch egal. Rockt.), What A Shame

5 The Wave Pictures – City Forgiveness
(Fast) Jedes Jahr die gleiche Leier: Ich lobe und preise die Wave Pictures, die, analog zu Kurt Krömers Selbstbezeichnung als „Deutschlands bekanntester Geheimtipp“, die unbekanntesten Weltstars des Popzirkus sind. Schon wieder hauen sie ein tolles Album raus, ein Doppelalbum gar. Und spielen Konzerte im Foyer des FFT vor ein paar Handvoll Menschen. Wäre die Welt gerechter, - ach, lassen wir das…
Anspieltipp: Like Smoke, The Inattentive Reader, Atlanta

6 Tullycraft – Lost In Light Rotation
Popmusik, wie sie sein sollte – nicht mehr und nicht weniger. Etwa eine halbe Stunde voller zackiger Songs und gewitzten Lyrics. Diese Platte macht Spaß und lässt das Tanzbein wippen! Eine meiner meist gehörten CDs dieses Jahr. Ideal für die Heimfahrt von der Arbeit – gute Laune im Anschluss garantiert!
Anspieltipp: Wake Up, Wake Up; Anacortes

7 Beady Eye – BE
Tja, das hätte ich ehrlich nicht erwartet. Nachdem mich schon das Debütalbum positiv überrascht hatte, bin ich jetzt vom zweiten Album (siehe Young Rebel Set) noch mehr erstaunt. Da stimmt (fast) alles, und da sind richtige Kracher dabei, die – man hat das ja immer noch unweigerlich im Hinterkopf – auch in Oasis-Zeiten für Jubel gesorgt hätten. Weiter so!
Anspieltipp: Second Bite Of The Apple, I’m Just Saying, Iz Rite

8 Die höchste Eisenbahn – Schau in den Lauf Hase
Gut dass es noch Bands gibt, die die deutschsprachige Musik vor der völligen Adel-Tawilisierung retten können: Die Band um Moritz Krämer und Francesco Wilking hat es vor allem textlich drauf. Aber so richtig! Da kann ich persönlich schon mal über die eine oder andere, in meinen Augen, leichte musikalische Belanglosigkeit hinwegsehen.
Anspieltipp: Was machst du dann, Raus aufs Land

9 Palma Violets – 180
Klassischer Fall von „Doppelt hält besser“: Beim ersten Durchhören noch für zu leicht befunden, vielleicht auch von dem anscheinend unvermeidbaren „Die neuen Libertines!!!-Hype“ abgeschreckt. Dann bei einem der Lieblingsplattendealer für wenig Geld einfach mal mitgenommen – und sofort begeistert. Neue Libertines ist natürlich Quatsch, aber diese smarte Rotzigkeit, die kann was!
Anspieltipp: Best Of Friends, 14 (vor allem der direkt folgende „Hidden Track)

10 Mozes And The Firstborn – Mozes And The Firstborn
Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich auf die Band aufmerksam geworden bin. Von wegen also, Youtube oder Spotify (denn auf eins von den beiden läuft es hinaus) lassen einen keine neue Musik mehr entdecken. Richtig guter Rock aus niederländischen Garagen, wenn man so will.
Anspieltipp: I Got Skills, Bloodsucker

11 Blomqist – Kein Mittel dagegen
Support your local bands! Blomqist aus Dortmund werden die Wenigsten kennen, was schade ist. Denn Musik mit deutschen Texten zu finden, die nicht im JupiterJonesRevolverheldJuliSchießmichtot-Klischeebrei versinkt, wird ja nicht einfacher. Und hier findet man sie in Hülle und Fülle!
Anspieltipp: Emmanuelle Cunt, Fahrplan

12 Vampire Weekend – Modern Vampires Of The City
Ich könnte mir vorstellen, dass sich viele Fans was anderes erhofft hatten. Und ich musste mich auch erst daran gewöhnen, dass diese Band immer weniger nach „A-Punk“ klingt. Aber spätestens nach dem dritten Durchgang hat es mich gepackt. Und der Urlaub in Nordamerika hat mich das Album noch einmal mit anderen Ohren hören lassen, so dass ich die Platte jetzt irgendwie noch mehr schätze.
Anspieltipp: Diane Young, Hannah Hunt

Ehrenplätze außerhalb der Wertung:
David Bowie – The Next Day
Ein neues Album! Von David Bowie! After all these years! Und dennoch reicht es nicht ganz für meine Charts, denn, mal ehrlich: Auf Albumlänge ist das irgendwie zu wenig. Es sind tolle Songs dabei (Dirty Boys zum Beispiel), aber auch vieles, was man jetzt nicht unbedingt gebraucht hätte. Aber: DAVID BOWIE!!!

Art Brut – Top Of The Pops
Es sind nur zwei neue Songs drauf – es handelt sich ja auch um ein Best-of-Album. Aber hey, es ist von Art Brut! Und neue Songs sind neue Songs! Deshalb zu Recht ein Ehrenplatz.

Knapp an den Charts vorbei geschossen:
Suit And Tie Johns – Paul (noch was tolles neues aus den Niederlanden. Hätte ich die nicht erst vor zwei Wochen entdeckt, wären die unter den Bestplatzierten!)
Franz Ferdinand – Right Thoughts, Right Words, Right Action (nach den vorherigen Alben ein unerwartet toller Wurf!)
Tocotronic – Wie wir leben wollen
The National – Trouble Will Find Me
The Computers – Love Triangles Hate Squares
Keith Topf Of The Pops & His Minor UK Indie Celebrity All-Star Backing Band - TOTP2
Billy Bragg - Tooth & Nail
Eleanor Friedberger - Personal Record

Alle Anspieltipps sowie weitere Tracks, die ich in diesem Jahr gut fand und wahrscheinlich auch in Zukunft noch gut finde, kann man sich übrigens in dieser Spotify-Playlist anhören. (Ich hoffe, das funktioniert auch tatsächlich)

Freitag, 21. Dezember 2012

Die Alben des Jahres 2012



2012 war ein gutes Jahr für neue Alben. Zwar nicht in Hülle und Fülle, aber Klasse statt Masse ist ja schließlich auch ein recht sinnvoller Spruch. Hier also die Klasse, die dieses Jahr in meine Topcharts versetzt wurde:

Japandroids – Celebration Rock

Schon die ersten Alben waren gewaltig, aber das hier toppt noch einmal alles: All killer, no filler! Von vorne bis hinten sensationell gut, atmosphärisch und dicht. Man glaubt oft kaum, dass das eine Zwei-Mann-Band ist. Anspieltipp: da fällt die Auswahl schwer, ich würde wohl täglich was anderes auswählen. Nehmen wir doch mal "Continuos Thunder". 

The Vaccines – Come Of Age

Es brauchte ein bis zwei Durchgänge, dann war das Album angekommen. Ist ja auch immer schwer nach einem so guten Debut. Aber auch Come Of Age überzeugt fast durchgängig mit tollen Popsongs und Ideen. Hoffentlich nicht noch eine Band, die denkt, irgendwann mal was ganz anderes machen zu müssen. Anspieltipp: Teenage Icon

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Jeder auf Erden ist wunderschön

Apropos was anderes machen – haben die beiden Herren, die von Superpunk in diese Band übergegangen sind, mit ihren Mitstreitern zum Glück nicht. Heraus gekommen ist wieder einmal (klingt komisch bei einem Debutalbum) ein herrliches Northern-Soul-Pop-Album mit intelligenten Texten. Ich freu mich schon auf die Tour! Anspieltipp wäre eigentlich "Meine Jeans", dazu findet sich aber kein Video. Deshalb: Nimm mich mit zum Spiel

The Wave Pictures – Long Black Cars


Nach jedem Album könnte man die gleiche Leier anstimmen: The Wave Pictures machen ein gutes Album nach dem nächsten, und kaum einer bekommt es mit. In einer perfekten Welt wäre diese Band größer als die fucking Kings of Leon und U2 zusammen. Soviel zur Lage der Welt… Anspieltipp: Stay Here And Take Care Of The Chickens

Two Gallants – The Bloom And The Blight

Lang hat’s gedauert, bis endlich mal wieder ein Two Gallants Album erschien, aber das Warten hat sich eindeutig gelohnt. Im Vergleich zu früheren Alben geht das hier mehr nach vorne, ist lauter, wenn man so will. Das tut den Songs aber keinen Abbruch, und die ruhigen, schönen Momente finden sich ja schließlich immer noch zur Genüge. Äußerst gelungen. Anspieltipp: Song Of Songs

Jack White – Blunderbuss

Kann der Mann eigentlich was falsch machen? Also musikalisch gesehen? Bei mir scheinbar nicht. Im Gegenteil hat er sich mit seinem ersten Soloalbum wieder ganz nach vorne gespielt. Da kommt sein ganzes großes Können zum Vorschein. Mein lieber Herr Gesangsverein! Anspieltipp: I'm Shakin'

The Heavy – The Glorious Dead

Rock’n’Roll, Pop’n’Soul und noch ne Prise Funk dazu. Aus all dem machen The Heavy einen dermaßen großartigen Sound, dass man selbst beim Autofahren nur schwer stillsitzen kann. Und in den ruhigen Momenten des Albums sich kaum halten kann vor Begeisterung über Swaby’s Stimme. Anspieltipp: Don't Say Nothing

Tame Impala – Lonerism

Hätte Neil Young mit Crazy Horse vor 35 Jahren ein Album rausgebracht, hätte es wohl so geklungen – lustigerweise klingt sein 2012 veröffentlichtes Album irgendwie auch so. Tame Impala haben Classic Rock entstaubt, aufpoliert und aufs Vortrefflichste herausgeputzt. Anspieltipp: Elephant

The Crookes – Hold Fast

Die vielleicht zur Zeit charmanteste Band aus England mit dem nächsten Album voller herrlicher Pophits. Beweist auch der Anspieltipp. Viel mehr gibt’s dazu gar nicht zu sagen – anhören! Anspieltipp: The Cooler King

Die höchste Eisenbahn – Unzufrieden EP

Ganz recht, eine EP mit sechs Tracks (eigentlich nur fünf plus ein Reprise) schafft es in die Jahrescharts. Warum? Weil das verdammt nochmal zum Besten gehört, was in den letzten Jahren an deutscher Musik veröffentlicht wurde. Die Schwarzwald-Connection Francesco Wilking und Moritz Krämer hat so wunderbare Songs geschrieben, dass meine Erwartungen an das hoffentlich anstehende Album riesig sind. Mit prominenten Gästen (Judith Holofernes, Gisbert zu Knyphausen) wird die Perfektion perfektioniert. Bitte unbedingt bald (wieder) auf Tour gehen! Anspieltipp: Vergangenheit

Django Django – Django Django

Kopf aus, Tanzbein an – auf eine Art, die irgendwie ganz eigen ist. Nur so viel: Wenn ich, was recht unwahrscheinlich ist, einen Film machen sollte, stehen Django Django ganz oben auf meiner Soundtrack-Wunschliste. Anspieltipp: Wor

This Many Boyfriends – This Many Boyfriends

Kurz vor Jahresschluss haben sich diese Briten noch in meine Charts geschlichen – kein Wunder, wenn ein Album textlich so genial beginnt: „“You love pop songs about love / more than being in love in the first place” und das Lied auch noch die Frage behandelt, ob die eigene Musik-Besessenheit eventuell schädlich sein könnte. Quatsch! Kein Quatsch ist aber, dass das ein ganz formidables Album geworden ist. Anspieltipp: I Don't Like You ('Cos You Don't Like The Pastels)


Ganz knapp an meinen Top 12 vorbeigeschrammt sind u.a. Dexys, The Twilight Sad, Skinny Lister, Kid Kopphausen, Die Türen, The Jim Jones Revue. Wie gesagt, ein gutes Jahr, was man auch daran erkennt, das z.B. Buster Shuffle oder Paul Weller nicht mal in der Nähe der Top 12 waren. Und gerade bei Weller will das schon was heißen! Ich bin gespannt auf 2013.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Konzerte des Jahres 2012



Der Einfachheit halber zähle ich meine 12 besten Konzertmomente des Jahres mal chronologisch auf – auch, weil es mir schwer fallen würde, sie in eine qualitative Reihenfolge zu bringen.

Two Gallants, FZW, Dortmund
Es war zu laut (bzw. schlecht abgemischt), es fing (für einen Wochentag) lausig spät an – und dann hat es mich ziemlich weggeblasen. Zwei Mann, Gitarre und Schlagzeug, großartig. Ich wollte Two Gallants schon seit Jahren mal sehen und wurde nicht enttäuscht.

TV Noir mit Moritz Krämer und We Invented Paris, Bhf. Langendreer, Bochum
Zu laut war es hier nicht, eher beschaulich und gemütlich (bestuhlt). Moritz Krämer und We Invented Paris wechselten sich ab, tauschten untereinander die Musiker, spielten gemeinsam – ein kleiner, feiner Abend mit schönen Songs, der wieder einmal gezeigt hat, was Moritz Krämer für ein toller Songschreiber ist.

Locas in Love, Glanz & Gloria, Osnabrück
Noch so eine Band, die ich schon seit Jahren sehr schätze und seitdem mal live sehen wollte – bisher hatte es einfach nie gepasst. Umso schöner, dass sich all meine positiven Erwartungen bestätigt haben. Sehr sympathische Band, klasse Auftritt. Beim nächsten Mal bin ich wieder dabei.

Noel Gallagher’s High Flying Birds, Max-Schmeling-Halle, Berlin
Der Chief in einer Halle, in der sonst ALBA Berlin auf Korbjagd geht und auch sonst eher „Events“ stattfinden – konnte das gutgehen? Es konnte! Angenehm entspanntes Stehen relativ nah an der Bühne, überraschend guter Sound für so eine riesige Halle (auch wenn die Oberränge abgehängt waren), und über die Qualität des Sets muss ich ja eh nicht viel sagen. Top class once again!

Billy Bragg, Zeche Bochum
Ein Mann, seine Gitarre, Songs about politics – ein lang gehegter Konzerttraum von mir war es, einmal Billy Bragg mit „A New England“ (und mit „To Have And To Have Not“) live zu erleben. Check! Ein großartiges, intensives Erlebnis mit einem wahnsinnig sympathischen Bloke!

Superpunk, Zeche Carl, Essen
Es tat schon weh, als die Top Old Boys ankündigten, dass dies ihre letzte Tour vor der Bandauflösung sei. Also nichts wie hin zum Abschiedskonert in Essen. Und es hat sich wie immer gelohnt, ein Jammer, dass eine der besten deutschen Bands so nie mehr auftritt. Aber mit der Liga der gewöhnlichen Gentlemen ist ja zum Glück schon ein würdiger Nachfolger in den Startlöchern.

Lou Reed, Kunst!rasen Gronau, Bonn
Der eigene Umzug am nächsten Tag? Wochenlanger Stress davor mit der Wohnungsrenovierung? 150km Anfahrt pro Strecke? Pah! Lou Reed! Bevor der irgendwann nicht mehr auf Tour geht, sollte man sich das nicht entgehen lassen. Und das war eine weise Entscheidung. Der alte Meister (sorry, Lou!) war in Hochform und spielte sich mit der bekannt ausdruckslosen Miene durch eine kleine Auswahl seines umfangreichen Gesamtwerks. Ein Erlebnis!

Skinny Lister, Haldern Pop
Haldern ist ja immer eine Garantie für viele tolle Konzerte. Das war auch in diesem Jahr nicht anders, aber eines stach für mich trotzdem eindeutig hervor. In der manchmal überwiegenden schwermütigen Konzertatmosphäre in Haldern (war zwar dieses Jahr nicht so extrem, aber trotzdem) war ihr Konzert am RP-Stand, auf einer Bühne nicht viel größer als zwei Europaletten, ein Feuerwerk der guten Laune. Irish Folk mit Punk-Attitüde. Mein wahrscheinlich glücklichster Konzertmoment in diesem Jahr. Ich freu mich schon sehr auf das Konzert in Münster im Januar.

Buster Shuffle, Bhf. Langendreer, Bochum
Das neue Album war nicht so ein Renner – aber live! Live sind Buster Shuffle immer noch mit das Beste und Unterhaltsamste, was im Moment so unterwegs ist. Ein bunter Mix aus Ska, Pop und Punk, in diesem Jahr mit größerer Band für fetteren Sound und noch mehr Spaß. Immer wieder großartig.

Japandroids, Gleis 22, Münster
2012 war ein gutes Jahr für Zwei-Mann-Bands – Japandroids haben ein sensationelles Album rausgehauen, und das Konzert stand dem in Nichts nach. Unfassbar dichter, druckvoller Sound und trotzdem eingängige Melodien. Das schaffen so auch nicht viele, weswegen dieses Konzert auf jeden Fall zu den Top-Highlights dieses Jahr zählt.

The Vaccines, Bürgerhaus Stollwerck, Köln
Es war vielleicht kein außergewöhnliches Konzert im ureigenen Sinn – aber für mich war es trotzdem besonders. Ganz einfach weil The Vaccines im Moment zu den Bands zählen, die mich schon auf Platte sehr begeistern. Und da sie eine gute Liveband sind, setzt sich das auf der Bühne fort. Auch wenn das Konzert recht kurz war – aber das sind die Songs schließlich auch zumeist. Besser kurz und gut als unnötige Längen!

The Black Keys, Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf
Das vorletzte Konzert des Jahres hatte es nochmal richtig in sich. Wieder eine recht große Halle, diesmal hatten wir sogar Sitzplätze – wobei das bei den Black Keys eh Makulatur war. Da hielt es niemanden auf den Sitzen. Die lieferten eine richtig gute Show, spielten grandios auf und ließen mehrere 1000 Leute total euphorisch zurück. Beeindruckend!



Dienstag, 3. Januar 2012

Ergänzung zu den Alben des Jahres 2011

Nachdem das Buster Shuffle Album eigentlich eine Art Re-Release ist und zumindest in England zu großen Teilen schon 2009 veröffentlicht wurde, wird ja quasi wieder ein Platz in der Bestenliste frei. Da mir außerdem auffiel, dass ich eines der herausragenden Alben des vergangenen Jahres einfach ignoriert habe, kommt hier also nun Nachschub:

Locas In Love - Lemming
Bringt diese Band ein Album raus, ist das eigentlich immer ein Kandidat für die Jahresbestenliste. So auch 2011. Wieder einmal vermischen die Kölner kluge, nachdenklich, traurige, komische Texte mit toller Musik, ohne dass es auch nur im geringsten angestrengt, verkopft oder sonstwie aufdringlich klingt. Da passt alles. Freue mich sehr auf die Tour 2012 und dass ich es (Stand heute) dann endlich auch einmal zum Konzert schaffe.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Auf die 12 - Alben des Jahres 2012

Auch hier war es ein enges Rennen, auch hier fiel die Entscheidung schwer. Anders als bei den Tracks gibt es hier eine Reihenfolge, und zwar für die ersten drei Alben – aber lesen Sie selbst, verehrte Damen und Herren…

Noel Gallagher’s High Flying Birds – Noel Gallagher’s High Flying Birds
Es konnte nur ein Album des Jahres geben. Da hätte Gott sich schon sehr, sehr, sehr verhauen müssen. Hat er aber nicht, sondern hat (wieder einmal) große Songs aneinander gereiht, die mit einigen wenigen Ausnahmen alle auch das Zeug für die Tracks des Jahres haben. Herausragende aufzuzählen führt zu weit – sagen wir lieber, „Soldier Boys And Jesus Freaks“ ist eigentlich unter Niveau, und als einer von scheinbar Wenigen bin ich auch kein allzu großer Fan von „Aka… What A Life“. Aber davon abgesehen: absolut fantastisch. Aber trotzdem ist es dann doch nicht MEIN Album des Jahres geworden, denn das ist…

The Vaccines – What Did You Expect From The Vaccines
Tja, es war ein wirklich hauchdünnes Rennen. Den Ausschlag gegeben hat schließlich das Konzert in Köln – vielleicht auch mit dem kleinen Bonus des letzten Konzert des Jahres. Denn das war genauso wie das Album selbst: kurz, knapp, auf den Punkt genau brillant. „All Killer, No Filler“ hieß (glaube ich) mal ein Sum41-Album – dass das nicht sein kann, dürfte jedem klar sein – aber beim Vaccines-Debüt stimmt das hudertprozentig. Hits, Hits, Hits, und deshalb zu Recht das Album des Jahres.

The Crookes – Chasing After Ghosts
Eine meiner Entdeckungen des Jahres. So gut und sympathisch obendrein, dass ich beinahe den Merch-Stand beim Konzert in Köln leer gekauft habe. Große Songs über kleine Geschichten, Traurigkeit und große Geste, verpackt in Liedern, die es unmöglich machen, dabei still zu stehen – das ist große Kunst. Und klettert auf diese Weise in meine Top 3 dieses Jahres. Ich freue mich auf das, was da noch kommen mag von den Crookes.

Beady Eye – Different Gear, Still Speeding
Alte Faustregel: Wer wenig erwartet, wird positive überrascht. Genau so verhielt es sich mit dem Debüt von Beady Eye. Natürlich ist da der Liam-Bonus (+ Bonus für den „Rest“ von Oasis), aber auch ohne diesen finden sich auf diesem Album mehr als eine Handvoll ausgezeichneter Rock’n’Roll-Pop’n’Soul-Hits. Das Rad wurde nicht neu erfunden, keine Revolution ausgerufen – einfach gute Songs von guten Musikern mit einem (immer noch) überragenden Sänger. Das muss auch einfach mal reichen.

Moritz Krämer – Wir können nix dafür
Auch wenn der große Bernd Begemann neulich über das deutsche Songwritertum geschimpft hat (nicht ganz zu Unrecht, finde ich im Übrigen) – Moritz Krämer kann er damit nicht gemeint haben. Der transportiert nämlich Witz und Klugheit ganz ähnlich wie Bernd Begemann, und doch wieder ganz anders. Leiser, verschämter, verschmitzter. Aber dennoch bestimmt und berührend zugleich. Da macht es auch nichts, dass mir die meisten Lieder auf dem Album schon aus 2010 bekannt sind. Neu abgemischt und mit weiteren tollen Songperlen ergänzt ergibt es etwas Neues, Großes.

Ja, Panik – DMD KIU LIDT
Ich brauchte lange, bis ich mit diesem Ungetüm von einem Album richtig warm wurde. Aber dann umso mehr. Vielleicht lag es auch daran, dass ich es anfangs bei strahlendem Sonnenschein hörte. Im positivsten Sinne ist das nämlich ein Album, das zu grauem Herbst- oder Winterwetter passt, zu schweren Wolken. Schwer ziehen sich auch die Songs, zu denen Andreas Spechtl in gewohnter Manier deutsch-englische Textkunstwerke zum Besten gibt. Ich bleibe bei meiner Meinung: Ja, Panik sind die momentan beste deutschsprachige Band. Schwere Kost muss schließlich auch mal sein.

Kasabian – Velociraptor!
Mit jedem Album habe ich das Gefühl, die Songs werden länger. Eigentlich wäre das ein Grund, mich abzuschrecken – ich bin ein Freund der klassischen Songstruktur bis ca. 3:30 Minuten. Aber bei Kasabian ist das anders. Da mäandern die Tracks vor sich hin, und ständig lugt eine neue Wendung um die Ecke, ständig passiert etwas anderes. Da werden auch Tracks über 6 Minuten zum kurzweiligen Vergnügen. Schade, dass ich es dieses Jahr nicht zum Konzert geschafft habe, aber bei der nächsten Tour bin ich bestimmt wieder dabei. Große Band, großes Kino!

Buster Shuffle – Our Night Out
Noch eine Entdeckung aus 2011. Und zwar eher zufällig, als Support von Art Brut (deren Album es trotz großem Sympathiefaktor es leider nicht hier hinein geschafft hat). Wir waren so begeistert, dass wir kurz danach gleich noch ein Konzert der Band besucht haben und jeder jeweils die CD gekauft hat. Support your favourite artists und so… Die Songs sind ungeheuer eingängig, tanzbar und gut gelaunt, sowohl live als auch auf CD. Pop meets Ska meets Indie meets ein bisschen Punk – grandiose Mischung.

Young Rebel Set – Curse Our Love
Ähnlich wie bei Moritz Krämer gilt hier, dass ich einen Gutteil der Lieder schon aus dem vergangenen Jahr kenne. Aber auch hier gibt es einige tolle Neuzugänge, und die Tracks klingen noch einmal ein bisschen satter und voller als auf der Debüt-EP. YRS sind zwar für mich in erster Linie eine grandiose Live-Band, aber auch das Album überzeugt mit jedem Hördurchgang, ohne sich auch nur im Geringsten abzunutzen. Songs, die bleiben!

Los Campesinos! – Hello Sadness
“You can lead a horse to water, but it won’t drown itself” – wer solche Zeilen schreibt, hat doch schon gewonnen. Das neue Album von Los Campesinos! ist anders als seine Vorgänger – man möchte sagen ausgereifter, weniger hektisch und zappelig – und doch hat sich die Band ihre Eigenheit bewahrt. Das hier ist kein 08/15-Indie, das sind gewitzte Texte und tolle Songs. Und auch wenn das Album in meinen Augen keine hervorstechenden Hits aufweist – die Dichte toller Songs macht es zu einem großartigen Gesamtkunstwerk.

The Pains Of Being Pure At Heart – Belong
Die Sache mit dem Gesamtkunstwerk könnte ich hier fast noch einmal wiederholen, doch auf “Belong” finden sich schon einige hervorhebenswerte Tracks. „Heart In Your Heartbreak“ ist so einer. Und dennoch glänzt auch dieses Album damit, dass es hier keinerlei Lückenfüller gibt. Hier sitzt jeder noch so schrammelige Ton und fügt sich zu einem lauten, melodiösen, schönen Ganzen. Herrlich.

The Wave Pictures – Beer In The Breakers
Ach, David Tattersall, warum sind du und deine Band eigentlich nicht berühmt? Also, so richtig berühmt, so mit Tausenden von Fans, ausverkauften Konzerten und Groupies vor der Garderobe, so wie ihr es verdient hättet. Vielleicht ist die Welt einfach nicht bereit für eure tragisch-komischen Songkunstwerke voller kluger, witziger Texte und herrlich schangeliger Gitarren. Aber ich bin immer dafür bereit, also lasst euch nicht beirren und macht weiterhin so tolle Alben – ich würde mich freuen. Herzlichst, euer Seb.

Sonderpreis: Sepalot – Beat Konducta Bavaria
Hört, hört, ein Sonderpreis! Jawoll! Und zwar für die ebenso absurde wie großartige Idee, ein Hip-Hop-Album zu machen, das ausschließlich (!) aus Samples bayerischer Blasmusik besteht. Klingt verrückt? Stimmt. Klingt aber auch genial gut und erfrischend. Und kann sogar für lau runtergeladen werden, und zwar hier. Empfehle ich wärmstens.


Montag, 26. Dezember 2011

Auf die 12 - Tracks des Jahres 2011

Musikalisch gesehen war dieses Jahr ein sehr gutes, finde ich. Daher fiel es mir auch nicht leicht, mich auf 12 herausragende Tracks des Jahres zu beschränken. Meine Auswahl sind letztendlich diese hier, ohne besondere Reihenfolge - das wäre mir dann doch zu kompliziert geworden! ;-) 

Thees Uhlmann – Römer am Ende Roms
Ein durchaus überraschender Gast in dieser Liste, hatte ich die letzten Tomte-Veröffentlichungen doch mit immer mehr Skepsis aufgenommen. Dazu kommt, dass mich die mediale Allpräsenz des Herrn Uhlmann rund um die Veröffentlichung ein wenig genervt hat. Aber: das hier ist ganz groß. Vergessen Sie das mediale Trara um die bestenfalls mediokre Zusammenarbeit mit dem schrecklichen Casper, Ladies and Gentlemen – das hier ist das „Die Schönheit der Chance“ 2011.

 The Vaccines – Wreckin’Bar (RaRaRa)
Zugegeben: es hätte auch vier oder fünf andere Tracks des Vaccines-Debuts „treffen“ können. Aber „Wreckin‘ Bar“ war der erste ihrer Songs, den ich bewusst gehört habe und ist noch immer mit der kraftvollste. Kurz, prägnant, hat alles, was ein großartiger Song braucht.

Noel Gallagher’s High Flying Birds – If I Had A Gun…
Natürlich taucht Gott hier auf, ist doch klar. Und was ist das bitte wieder für ein Song. Unglaublich berührend, wunderbar arrangiert – eine Hymne wie zu allerbesten, na gut ich sage es, Oasis-Zeiten. Bei Noel ist Songschreiben wohl wie Fahrradfahren. Er verlernt es einfach nicht. Auch hier gilt: der Großteil des Albums könnte hier ebenfalls in der Auswahl stehen, aber das wäre ja etwas eintönig.

FM Belfast – Par Avion
Songs müssen ja – davon abgesehen, dass sie einem natürlich gefallen müssen – auch live funktionieren. Und das hat dieses Jahr kaum ein Song besser hingekriegt als dieser hier. Trotz kühlem Wetter und enger Platzverhältnisse versprühte er karibische Freude, obwohl die Musiker aus dem hohen Norden Skandinaviens kommen.

The Crookes – Bloodshot Days
Neben den Vaccines die Entdeckung des Jahres. Jeder Song ein Hit, daher fiel auch hier die Auswahl gar nicht so leicht. „Bloodshot Days“ ist aber extrem charmant, außerdem gibt’s ihn in einer großartig lustigen Version auch mit deutschem Text, und zwar als B-Seite zur 7“ von „I Remember Moonlight“ – sehr zu empfehlen.

Ja, Panik – Nevermind
Für mich der herausragende Song aus dem aktuellen Album, neben dem Monster von Titeltrack natürlich. Jedem Bandmitglied wird eine Strophe und somit eine kleine Geschichte gewidmet – das ist ganz großes Kino.

Frankie & The Heartstrings – Photograph
Und noch eine Neuentdeckung dieses Jahr. Rock’n’Roll trifft Indierock, sowohl stimmlich als auch musikalisch. Dieser Track geht kräftig nach vorne, wirkt aber aufgrund der immer leicht zitternden Stimme des Sängers trotzdem irgendwie fragil. Ein Spagat, den man so auch erstmal hinkriegen muss. Frankie & The Heartstrings schaffen das ohne Probleme.

Beady Eye – Millionaire
Wo der eine Gallagher ist, ist der andere (immer noch) nicht nicht weit. Nur eben nicht mehr vereint. Und auch wenn Noels Album mich deutlich mehr überzeugt hat: Beady Eye hat mich positiv überrascht. Ganz besonders „Millionaire“. Der hätte auch Noel zu höchsten Ehren gereicht. Ein toller, eingängiger Popsong, der sich seiner Vorbilder nicht schämen muss. Denn die gehören zur Crème de la Crème der britischen Musik. Recht so!

Atomic – Heartbeater
Zitat Christian Ihle vom taz Popblog: „So seltsam es klingen mag: die beste Modrock- und Britpop-Platte kommt in diesem Jahr aus Bayern.“ Kann man im Grunde so stehen lassen, und besonders „Heartbeater“ klingt so, wie man es sich von vielen anderen, die in den Pseudo-Indie-Mainstream-Dreck abdriften, wünschen würde.

Kasabian – La Fée Verte
Ah, Kasabian – die Stadion-Band, die eigentlich in die kleinen Clubs gehört. Besonders mit diesen psychedelisch angehauchte knapp sechs Minuten, die lässig vor sich hintreiben, aber natürlich ohne belanglos zu werden. Ein Stück zum Cruisen bei offenem Fenster. Schade, dass gerade Winter ist…

Kitty, Daisy & Lewis – I’m Going Back
Simply Rock and Roll – ‘nuff said!

Paul Weller – Around The Lake
Ein erster Vorgeschmack auf das neue Album des Modfathers, das im Frühjahr erscheinen wird. Und was für einer! Wenn das Album auch so wird, erfindet sich Weller mal wieder selbst, ohne dabei seine Identität zu verlieren. Was für ein großartiger Künstler.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Auf die 12 - Meine Alben des Jahres 2010

Jahr für Jahr hört und liest man, dass nun ausgerechnet genau dieses Jahr ein musikalisch eher schwaches war, in dem wenig bemerkenswerte und gute Alben erschienen wären. Und Jahr für Jahr denke ich: "Seh ich nicht so." Ich finde jedes Jahr genug Alben, die mich erfreuen, begeistern, mitreißen und berühren. So natürlich auch dieses Jahr, in dem erstaunlich viele gute deutschsprachige Alben erschienen sind. Aber auch international ließ man sich nicht lumpen. Hier nun meine Top 12 der Alben 2010.

Platz 12: Dendemann - Vom Vintage verweht
Gewohnt scharfzüngig und sprachwitzig. Ist und bleibt Deutschland bester Rapper, wenn es um Texte mit Witz, Verstand und Seitenhieben geht.

Platz 11: Two Door Cinema Club - Tourist History
Tolles Album zum Tanzen, tolle Single-Auskopplungen. Kann man immer wieder hören und bekommt gute Laune, ohne dass es sich abnutzt. Sehr schön, das.

Platz 10: Gistbert zu Knyphausen - Hurra! Hurra! So nicht.
Im Gegensatz zu den Vorgängern eher was für die stillen Stunden und zum Nachdenken. Das dann aber mit Wucht und Gefühl. Wie sagte Thees Uhlmann (sinngemäß): erst haut er dir auf die Fresse, dann streichelt er dir zum Trost die Haare. So isses.

Platz 9: Japandroids - No Singles
Die hauen wiederum nur auf die Fresse, jetzt so musikalisch. Aber das in großartiger Weise. Laut, schnell und gut.

Platz 8: The New Pornographers - Together
Die kanadische Supergroup versteht es immer wieder, mich aufs Neue zu packen. Das Album ist nicht so spektakulär wie mancher seiner Vorgänger, aber immer noch viele, viele Hördurchgänge wert.

Platz 7: Die Sterne - 24/7
Ein 1A-Dance-Album der Sterne. Da mag mancher die Nase rümpfen, aber das ist hier völlig fehl am Platz. Das macht soviel Spaß und wird live noch toller umgesetzt. Einfach fantastisch.

Platz 6: The National - High Violet
Wieder einmal ein ganz wunderbares Album von The National. Gestochen scharfe Texte, großartig vorgetragen. Zum Zuhören, Mitfühlen und manchmal auch zum Dahinschmelzen.

Platz 5: RPA & The United Nations of Sound - RPA & The United Nations of Sound
Endlich! Richard Ashcroft ist wieder da. Also richtig da. Nach den eher durchwachsenen letzten Alben ist er endlich wieder bei alter Größe, bei Bombast und großer Geste. Genau da gehört er hin. Eine tolle Band hat er noch dazu versammelt. Und so ist ein wirklich grandioses Album entstanden.

Platz 4: Superpunk - Die Seele des Menschen unter Superpunk
Allein schon für "In der Bibliothek" lohnt der Kauf von mindestens drei Exemplaren des Albums. Ein Rock'n'Roll-Beat-Song über die Bibliothek! Fantastisch. Wie auch der Rest des Albums. Live sogar noch besser. Wenn das überhaupt geht...

Platz 3: Carl Barât - Carl Barât
Der erste Solowurf des Libertine, nachdem auch die Dirty Pretty Things zu den Akten gelegt wurden. Und gleich so ein großer Wurf. Ganz anders als gewohnt, und doch erkennbar Mr Barât. Mit "Run With The Boys" einen DER Hits des Jahres gelandet. Und rundherum ein wunderbares Album gestrickt. Ich freu mich auf ein dazugehöriges Konzert.

Platz 2: Jens Friebe - Abändern
Ach, der Herr Friebe. Warum ist der denn immer noch nicht berühmt? Da läuft doch irgendwas gewaltig schief. Jedes Album voller Hits, voller grandios-verrückt-lässiger Popsongs. So auch dieses. Dieser Mann müsste längst im Pop-Olymp angekommen sein. Ist er aber nicht, warum auch immer. Komische Welt. Hauptsache, er macht weiter solche Alben.

And the winner is: Young Rebel Set - Young Rebel Set
Platz 1 belegt ein Album, das eigentlich gar kein richtiges Album ist. Eher so eine längere EP. Acht Songs sind drauf. Acht Songs, jeder so groß und gewaltig, dabei doch so schön und fein, dass man es kaum glauben kann. Genau wie das erste Konzert, das ich von Young Rebel Set erlebt habe. Die neulich beim zweiten Konzert gekaufte 3-Track-EP ist ebenso toll. Ein reguläres Album der Band gehört zu den Dingen, auf die ich 2011 mit am sehnlichsten warte. Also bitte, lasst euch nicht zuviel Zeit damit. Nicht dass ich auf dem Trockenen liegen muss!


PS: Nicht ganz geschafft in diese Liste, aber dennoch erwähnenswert, weil ebenfalls toll, sind diese Alben, die hiermit auch wärmstens empfohlen werden (in zufälliger Reihenfolge aufgelistet): Blood Red Shoes - Fire Like This; The Drums - The Drums; 1000 Robota - Ufo; Vampire Weekend - Contra; Tocotronic - Schall & Wahn; The Strange Death of Liberal England - Drown Your Heart Again; Blumentopf - WIR; Christian Rösinger - Songs of L. and Hate; Ocean Colour Scene - Saturday; The Gaslight Anthem - American Slang

Sonntag, 17. Januar 2010

Auf die 12, Teil 2 - Meine 12 Songs des Jahres 2009

Editors - Papillon

So gewöhnungsbedürftig und, so muss ich es leider sagen, mittelmäßig das neue Editors-Album auch sein mag - mit Papillon haben sie einen großartigen Song als erste Single rausgehauen. "It kicks like a sleep twitch!"



Kasabian - Fire

Ein ab-so-lu-ter Wahnsinnssong. Wem es dazu nicht in den Füßen juckt, dem kann nicht geholfen werden.



Ian Brown - Marathon Man

"I am the marathon man, catch me if you can. Got miles and miles already run, miles and miles still left to come. I am the marathon man, with the whole world in my hands". 'nuff said! Brilliant.



Hockey - Song Away

Ein schöner Song, der in die Ohren und die Tanzbeine geht und eine der schönen, wenn etwas kryptischen Zeile des vergangen Jahres beinhaltet: "Tomorrow's just a song away".



Yodelice - Sunday With A Flu

Aus Zufall im September in Brüssel live gesehen, auf dem Grande Place bei einer Veranstaltung, und sofort hingerissen von dem Song. Auch wenn das Album mich dann nicht völlig überzeugt hat, dieser Song ist großartig.



Mumford & Sons - Little Lion Man

Ähnlich wie bei Yodelice: beim ersten Mal Hören bereits hin und weg. Und das hat sich auch nach etlichen Durchgängen nicht geändert.



The Thermals - Now We Can See

Der Titeltrack des neuesten Thermals-Album ist eine Hymne, nicht mehr und nicht weniger. Guter Song, Mitsingfaktor 10/10 - was will man mehr? Das "Oh-way-oh-a-whoa" schallte in Haldern noch lange über den Reitplatz, nachdem die Thermals die Bühne bereits wieder verlassen hatten.



Morrissey - All You Need Is Me

Der Titel sagt doch schon fast alles. Pomp und Größe, Größenwahn und Brillanz, alles vereint in einem Song.



The Pains Of Being Pure At Heart - This Love Is Fucking Right!

Der meistgespielte Song 2009 in meinen last.fm-Charts, und das vollkommen zurecht.



The Kabeedies - Petits Filous

Der Song beginnt mit folgendem "Dialog": "Who's your favourite Kung-Fu artist?" - "Probably Bruce Lee" - What's your favourite colour?" - "Oh, I don't know. Black!?" Das alleine ist schon fantastisch. Dazu ein hektisch-zappelnder Rhythmus, bei dem man einfach mit muss. Macht zusammen einen Spitzensong.



The Wave Pictures - Canary Wharf

Eine grandios unterschätzte und unverständlicherweise weitestgehend unbekannte Band. Mit diesem Kleinod von Song vom aktuellen Album "If you leave it alone" (Achtung: Kaufempfehlung!) haben die Wave Pictures ein weiteres Mal eine wunderbare Popperle herausgebracht.



Ja, Panik - The Golden Handshake

Gute 6 Minuten, die alles, aber wirklich alles haben, was ein großer, fantastischer Popsong braucht. Mitreißende Musik, grandiose Lyrics - da stimmt einfach alles. "Ich strafe jeden hier mit Lügen, und ich geb dem Zweifel statt. Like a fool, wer mehr erwartet, also her doch mit der Leidenschaft. Ich mein die Kunst nur zu vergessen, was sich in Licht und Farbe zeigt. Was da ist nenn ich Abszesse, von irgendeiner Möglichkeit. Wie man es auch sieht, es ist gespenstisch, ist gespenstisch und vertrackt. In diesen Augen sehe ich endlich, was mir fehlt vertausendfacht..."

(von diesem Song habe ich leider kein Video gefunden. Als Ersatz gibts den Song "Als habe ich", ebenfalls vom neuen Album, in einer Unplugged-Version: )